Die zweite Welle: Hätten wir es besser wissen müssen?

Die zweite Welle: Hätten wir es besser wissen müssen?

Die Antwort auf diese Frage: ein klares JA!

Aber wir waren (verständlicherweise) zu sehr damit beschäftigt, die erste Welle in den Griff zu bekommen und haben daher den möglichen Ursachen der Ausbreitung von COVID-19 zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Folglich haben wir auch nicht berücksichtigt, warum sich das Virus weltweit zuerst nur in der nördlichen Hemisphäre in einem engen geographischen Bereich rasant ausgebreitet hat. Vereinfacht gesagt: Das Coronavirus SARS-CoV-2 „bevorzugt“ für die Ausbreitung bestimmte Wetterbedingungen – und zwar niedrige Temperaturen, mittlere UV-Strahlung und hohe relative Luftfeuchtigkeit.

Basierend auf der Analyse dieser Daten ließen sich schon Ende April 2020 die im Sommer aufgetretenen neuen Epizentren inklusive der Zeitpunkte ihrer Entstehung als auch deren Ende voraussagen.

Menschenmengen und die Verbreitung im Außenbereich

Das Virus breitet sich nur unter einer Bedingung aus, nämlich dann, wenn es menschliche Wirtszellen findet, um sich zu vermehren. Ohne dieses „Futter“ ist eine Ausbreitung nicht möglich. Wenn es sich dann um eine derart rasante Ausbreitung wie im Frühjahr 2020 handelt, müssen möglichst viele Menschen in engem Kontakt stehen. Enge Kontakte mit einer großen Anzahl an Menschen bietet das tägliche Leben sowohl im Innen- als auch Außenbereich. Die größten Cluster bilden sich in stark frequentierten Einkaufsstraßen. Hier ist die Menschenmenge pro Quadratmeter sehr hoch und zudem noch einer ständigen Fluktuation ausgesetzt. Genauso verhält es sich mit unserer Mobilität im täglichen Leben. Bevor wir in den Bus, die Bahn oder die Straßenbahn einsteigen, stehen wir auf engem Raum zusammen. Auch beim Ein- und Aussteigen haben wir dichten Kontakt. Wenn die Luftfeuchtigkeit dann noch entsprechend hoch ist, bietet auch der Außenbereich ideale Bedingungen für die rasante Verbreitung des Virus.

Im Gegensatz zum Innenbereich hat der Außenbereich darüber hinaus eine viel höhere Dynamik. Vergleicht man die Menschenmenge, die in einer Einkaufsstraße oder einem Bahnhof herrscht mit der in einer Bar, so kommt man zu folgendem Ergebnis: Die Menschenmenge in einer Bar ist über einen langen Zeitraum nahezu konstant, während sie am Bahnhof oder einer stark frequentierten Einkaufsstraße ständig wechselt. Anders ausgedrückt: Innerhalb von etwa einer Stunde habe ich dort eine Ansammlung von Menschen, die einem Vielfachen der Menge an Leuten in einer Bar entsprechen.

 

Menschenmenge

Menschenmengen in der Fußgängerzone in Köln. Den empfohlenen Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten, ist quasi unmöglich – selbst dann, wenn hier nur die Hälfte der Menschenmenge unterwegs wäre.

https://koomio.com/koeln

Beim Einsteigen und Warten auf öffentliche Verkehrsmittel sind Mensch-zu-Mensch-Kontakte nicht zu vermeiden.

https://www.nahverkehrhamburg.de/neue-s-bahn-abstellbahnhoefe-in-stellingen-und-halstenbek-2544/

Solange die oben genannten Wetterbedingungen herrschen, hat das Virus genügend Möglichkeiten, sich über viele Menschen auszubreiten und so seinen „Hunger“ nach Wirtszellen zu stillen. Da die Menschen sich vom gefährlichen Außenbereich auch wieder in den Innenbereich zurückziehen, kann sich dort das Infektionsgeschehen dann weiter fortsetzen. Das Ergebnis: ein diffuses, großflächiges Infektionsgeschehen mit rasanter Ausbreitungsgeschwindigkeit, wie wir es in der ersten Welle erlebt haben.

Luftfeuchtigkeit und Aerosole

Warum spielt eigentlich die Luftfeuchtigkeit eine so dominante Rolle in der Infektionskette? Die Aerosole, die wir ausatmen, sind nur beständig, weil die Atemluft eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 90 Prozent hat. Gelangen diese Aerosole in einen Bereich mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, bleiben sie lange beständig und können so wieder von anderen Personen eingeatmet werden. Hohe Luftfeuchtigkeit ist also eine ideale Wetterbedingung zur Ausbreitung von COVID-19. Niedrige Außentemperaturen begünstigen die Stabilität der virenbelasteten Aerosole. Zum Zeitpunkt der schnellen Ausbreitung des Virus waren die Temperaturen im Innenbereich höher als draußen. Folglich haben wir das Infektionsgeschehen im Außenbereich völlig unterschätzt.

Mit Aerosolen haben wir uns schwergetan - und die kamen auch nur im Innenbereich vor. Der Außenbereich galt für uns nie als Gefahrenzone, frei nach dem Motto, dass frische Luft dem Menschen bekanntlich guttut.

Die Spanische Grippe

Wir haben uns darüber hinaus nicht intensiv mit der Spanischen Grippe auseinandergesetzt. Die Peaks der Spanischen Grippe, deren Virus Influenza-A-H1N1 im Aufbau dem Coronavirus SARS-CoV-2 sehr ähnlich ist, waren in Europa und New York im Herbst und im Frühjahr. Die zweite Welle war erheblich stärker im Infektionsgeschehen als die erste – und genau das erleben wir momentan auch.

Abb. 4: Die zweite und dritte Welle der Spanischen Grippe breitete sich in London im Herbst und im Frühjahr aus.

Und wenn wir genau gewusst hätten, was in einer zweiten Welle passieren kann – was hätten wir tun müssen? Die Lösung ist sehr simpel: Rechtzeitig auch im Außenbereich Schutzmasken tragen, um COVID-19 eine Menge an Angriffsfläche zu nehmen.

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