Der schwedische Weg

Der schwedische Weg

Der „schwedische Weg“ in der Corona-Pandemie unterscheidet sich von den anderen europäischen Ländern sehr deutlich. Trotz hoher Infektionszahlen und hoher Sterblichkeit steht er für mehr Freiheit und Selbstverantwortung. Flächendeckende Schulschließungen oder eine Maskenpflicht gab es in Schweden bislang nicht. Das Tragen einer Alltagsmaske scheint ein Tabu zu sein. Das geht sogar so weit, dass man ohne Alltagsmaske zum Arzt geht – und auch dieser trägt keine.

Der Preis für diese Freiheit war von Anfang an hoch, wenn man hier die Sterblichkeitsrate zugrunde legt. Bis heute hat Schweden rund 6.000 Menschen an COVID-19 verstorbene Menschen zu beklagen. Rechnet man das über die Bevölkerungszahl um, dann würde das für Deutschland eine Zahl von etwa 48.000 Toten bedeuten.

Dennoch ist die Annahme falsch, dass es in Schweden gänzlich ohne Zwang verlief. In den Pflegeheimen für ältere Menschen gab es bis zum 1. Oktober ein Besuchsverbot, um die Todesrate in den Griff zu bekommen. Für Veranstaltungen gibt es ähnliche Obergrenzen wie in Deutschland.

Um den schwedischen Weg etwas besser zu verstehen, muss man die täglichen Infektionsraten erst einmal in Beziehung zur Einwohnerzahl bringen und dann die täglichen Infektionszahlen mit denen von Deutschland vergleichen:

Abb. 1: An der täglichen Zahl der Infizierten kann man deutlich ablesen, dass der deutsche Weg durch die Epidemie zu kommen der bessere war.

Und in Wirklichkeit ist die Ansteckungsrate und die Zahl der Toten in Schweden eventuell noch bedeutend höher, jedenfalls wird dort weniger getestet. Eine österreichische Ärztin, die in Schweden arbeitet, berichtet, dass nur Personen, die ins Krankenhaus kommen, getestet werden – und dabei auch nicht alle.

Schauen wir uns das Infektionsgeschehen in Schweden in Korrelation zum dazugehörigen UV-Index (UVI) an. Erwartungsgemäß steigt die Zahl der täglich Infizierten mit dem UVI-Wert exponentiell. Überraschend hierbei ist jedoch, dass zwischen den UVI-Werten UVI = 2,5 und UVI = 4,8 die Zahl der täglich Infizierten gleich bleibt. Im Bereich UVI = 5,1 bis 5,4 steigt dann die Zahl der täglich infizierten Personen exponentiell an:

Abb. 2: Hier wird die Zahl der Infizierten mit dem UVI-Wert korreliert.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass diese Korrelation zwischen mit COVID-19 Infizierten und dem UVI-Wert in meinen Untersuchungen von verschiedenen Regionen in dieser Form noch nicht vorgekommen ist.

Der gleichbleibende Bereich der täglich Infizierten könnte ein Indikator dafür sein, dass die Virus-Aerosole im Außenbereich durch den Einfluss von UV-Strahlung ihre Struktur verändern und dann besser an die menschlichen Wirtszellen andocken können. Diese Annahme würde den exponentiellen Anstieg im Bereich UVI = 5,1 bis 5,4 erklären.

 

Ab Mitte August setzte in Schweden dann wieder ein exponentieller Anstieg der täglichen Infektionen ein, der sehr gut mit den dazugehörigen UVI-Werten korreliert:

Abb. 3: Die Korrelation des UVI-Wertes mit dem Anstieg der Infizierten in der zweiten Welle zeigt, dass die Infektionen sehr stark mit der Wetterlage zusammenhängen und sich deshalb vorwiegend im Außenbereich abspielen.

Hierbei müssen wir berücksichtigen, dass der UVI in direktem Zusammenhang mit der Temperatur steht, und zwar nach der folgenden mathematischen Beziehung

 

T = k1 * e (k2*ln UVI)

 

T                     = Temperatur

UVI                 = UV-Index

K1 und K2         = Konstanten, die sowohl von den Breitengraden als auch davon abhängen, ob man sich jahreszeitlich im aufsteigenden oder abfallenden UV-Index befindet.

 

Bedingt durch eine relative Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent und die niedrige Temperatur, die sich mit abnehmenden UVI-Werten einstellt, nimmt auch die Diffusion der Aerosol-Partikel ab. Diese folgt dem Stoke-Einstein Gesetz:

 

D = kB * T / 6 p * R0 * h

mit

kB             = Boltzmann-Konstante

T         = Temperatur

h         = dynamische Viskosität der Luft

R0        = Radius der diffundierenden Teilchen

 

Die COVID-19-Aerosole werden in der Luft des Außenbereiches mit abnehmender Temperatur stabiler. Bei einer Korrelation wie in Abb. 3 muss man also davon ausgehen, dass sich der größte Teil der Infektionen im Außenbereich abspielt.

Insgesamt war der schwedische Weg sicherlich nicht „erfolgreich“: Die vielen Toten waren ein hoher Tribut. Und ein Ende der Pandemie in Schweden ist nicht abzusehen, denn die zweite Welle hat auch dort zugeschlagen – und ihr Ende ist nicht einschätzbar. Das gesetzte Ziel der schwedischen „Herdenimmunität“ ist jedenfalls nicht ansatzweise erreicht worden.

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